Wenn man sich hochwertige Cashmere-Strickwaren anschaut, fällt etwas auf: Sie sind erstaunlich oft schlicht.
Feine Garne, glatt rechts gestrickt, eher dünn, wenig aufwendige Muster. Zopfmuster, Reliefstrukturen oder andere plastische Stricktechniken findet man bei 100 % Cashmere deutlich seltener.
Das ist vermutlich kein Zufall.
Cashmere ist außergewöhnlich weich, leicht und warm. Gleichzeitig fehlt einer reinen Cashmere-Konstruktion ein Teil der Elastizität und Rücksprungkraft, die für deutlich strukturiertere Strickwaren hilfreich sind. Das fertige Gestrick kann sehr weich und schön fließend sein, aber auch etwas weich fallen und weniger Form halten.
Deshalb passt Glatt-rechts-Strick so gut zu Cashmere: Die Struktur ist schlicht und lässt die Eigenschaften der Faser im Vordergrund stehen.
Auch die Tatsache, dass Cashmere-Pullover häufig relativ dünn sind, ergibt Sinn. Ein feines Cashmere-Gestrick kann bereits sehr warm sein und gleichzeitig leicht und angenehm auf der Haut liegen. Mehr Material und mehr Struktur bedeuten nicht automatisch ein besseres Ergebnis.
Interessant ist deshalb, wie sich Cashmere-Produkte in den letzten Jahren weiterentwickeln. Vieles passiert nicht über kompliziertere Strickmuster, sondern über die Oberfläche – zum Beispiel durch Brushing. Das Grundgestrick bleibt oft einfach, während die feinen Fasern stärker herausgearbeitet werden.
Warum Cashmere Blends interessant sind
Genau hier kommen hochwertige Cashmere Blends ins Spiel.
Verschiedene Fasern können Eigenschaften ergänzen, die bei 100 % Cashmere weniger ausgeprägt sind.
Cashmere + Merino kann beispielsweise mehr Elastizität und Rücksprung mitbringen und dadurch für strukturiertere Strickwaren interessant sein.
Cashmere + Silk bringt nicht einfach mehr „Stand“, sondern vor allem Festigkeit, Glanz und einen schönen, fließenden Fall.
Cashmere + Cotton kann die weiche, wärmende Haptik von Cashmere mit einer trockeneren, klareren Oberfläche verbinden. Das Ergebnis wirkt oft etwas weniger flauschig und eignet sich besonders für leichtere Strickwaren mit einem eher unkomplizierten, alltagstauglichen Charakter.
Cashmere + Linen verbindet die feine Weichheit von Cashmere mit der natürlichen Trockenheit und leichten Struktur von Leinen. Dadurch kann ein luftigeres, weniger winterliches Gestrick entstehen, das besonders für Übergangszeiten interessant ist.
Für die Auswahl eines Garns ist deshalb nicht allein der Cashmere-Anteil entscheidend.
Die wichtigere Frage lautet:
Was kann dieses Garn – und wofür eignet es sich?
Warum extraStrand nicht einfach möglichst viel 100 % Cashmere anbietet?
„100 % Cashmere“ ist zweifellos ein starkes Verkaufsargument. Trotzdem möchte extraStrand nicht einfach möglichst viele reine Cashmere-Garne anbieten, nur weil sich der Materialname besonders leicht vermarkten lässt.
Bei der Auswahl geht es vielmehr um die Eigenschaften des Garns und darum, was daraus entstehen kann.
Deshalb finden auch hochwertige Cashmere Blends bei extraStrand einen festen Platz – manche davon sind für bestimmte Projekte sogar interessanter als 100 % Cashmere.
Nicht, weil reines Cashmere schlecht wäre.
Sondern weil 100 % nicht automatisch besser bedeutet.
Eine gute Mischung ist keine Verwässerung eines Luxusmaterials. Sie kann eine bewusste Kombination verschiedener Eigenschaften sein.
Am Ende zählt nicht nur, was auf dem Etikett steht, sondern was aus dem Garn wird.